DIE Insel

Nun bin ich also hier, Itaparica, nur schon der Name klingt verheissungsvoll. Iiiiitaparica rufen die Fahrer der Sammeltaxis die Destination aus, die erste Silbe in die länge gezogen, klingt das nach einem Marktschreier, welcher seine Wahre anpreist. Im Capoeira Verein in welchem ich trainiere wird der Ort nur “die Insel” genannt, ganz so als existierte in ganz Brasilien, ja auf der ganzen Welt nur eine Insel, welche einen besuchenswert wäre. In den 30 Jahren in welchen der Verein existiert fand stets ein reger Austausch statt zwischen dem Verein hier und in Europa (http://www.capoeira-uniao.ch/).

Iiitaparica…Nachdem ich selber hier wie ein Familienmitglied empfangen wurde beginne ich zu verstehen.
Vom ersten Tag an wurde ich überall hin mitgenommen, allen vorgestellt, in alle Gespräche miteinbezogen, trotz meiner kümmerlichen Kenntnissen in Portugiesisch. Ich wohne hier bei der Schwester unseres Capoeira Meisters in der Schweiz, welche selber Meisterin ist (eine von wenigen Frauen mit deiser Graduierung).

Iiitaparica…Capoeira ist allgegenwärtig, am Sonntag gab es auf dem Dorfplatz eine Graduierungsfeier, ein paar Tage später eine Geburtstagfeier, die Menschen kommen zusammen und spielen Capoeira.

Iiiitaparica… Die Natur ist überwäligend schön, bei Ebbe ersteckt sich eine riesige Fläche surreale Landschaft mit seichtem Wasser über die Landzunge. Beieinem Ausflug ans andere Ende der Insel habe ich das Paradies entdeckt, Kokospalmen,Strand und keine Menschen, keine Hotelkomplexe, nichts, ausser einigen bunt bemalten Fischerbooten die auf den Wellen auf und ab wiegen.

Iiiitaparica…Eigentlich wollte ich am Freitag weiterreisen, wollte die Umgebung erkunden, bevor ich am 28. meinen Job in Salvador antrete. Nun, ich werde hier bleiben, kann mich nicht losreissen, habe keine Lust auf Hostels und Backpackistan.

Iiitaparica, wunderschön aber auch bettelarm. Verlässt man das pittoreske Städtchen aus romantisch verwitterten Kolonialgebäuden, sind die Strassen alsbald löchrige Schottepisten und überall erinnert der Geruch der Abfallfeuer an die vielen Herausforderungen welche Brasilien zu bewältigen hat.

Das Gefälle zwischen Arm und Reich ist in Brasilien enorm. Besonders gross ist die Kluft auch zwischen der schwarzen und weissen Bevölkerung. 2 Millionen Menschen wurden durch die portugiesischen Kolonialherren zwischen 1570 und 1888 versklavt. Die die meisten der Schiffe aus Afrika kamen im Hafen von Salvado da Bahia (Hauptstadt des Bundesstaats Bahia) an. Heute ist die Mehrheit des Bundesstates Afro-Brasilianisch und wie nirgendwo sonst in den Kolonien blieb hier ein Teil der afrikanischen Identität erhalten (hierzu mehr im nächsten Beitrag).
Trotz des enormen wirtschaftlichen Aufschwungs der vergangenen Jahrzehnte hat es das Land verpasst die Chancen für den ärmeren Teil der Bevölkerung anzugleichen, die öffentlichen Schulen besitzen einen schlechten Ruf,die vielen Proteste im vergangenen Jahr vor, und während der WM, prangerten diesen Umstand an. Mittlerweile ist das Land in einer grossen Wirtschaftskrise, die Zeiten des stetigen Aufschwungs sind vorbei, und der Unmut gegen die Regierug ist gross, zumal auch ein grosser Korruptionsskandal das Land bewegt. Letzte Woche ist der Finanzminister zurückgetreten (http://www.nzz.ch/wirtschaft/uebersicht-wirtschaftsthemen/rousseffs-finanzminister-wirft-das-handtuch-1.18665739)

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