Bilder/ Images

I wanted to scrap off the layers, see this city as it is, not as it appears. I dug deeper and deeper with my hungry eyes. I transformed street names to images, completely fascinated. Images became stories, my fantasy was vivified by the magic of everyday life. I even stopped taking pictures, was just collecting images for my mind. What slipped my mind was, that there are cruel images as well, that they inhere stories as well and that they, also always will be on our minds.

It is late afternoon in the Baixa the Sapateiros (street of the shoemakers), the street is a cheap shopping ally in the daytime and turns to a trade market for sex and drugs (mainly crack). On the side of the road, coconuts, sun glasses and cheap electronic imitations are offered by the countless street vendors. I am walking slowly, taking in the vivid scene and turn my head to the left. The image that is now emerging in my in front of my eyes leaved me standing there with my eyes wide open. In the middle of the shoe shop, on one of the chairs to try the shoes on, is sitting a boy, approximately 10 years old, over weigt, shirtless. His face distorted in distress he bends his head as far to the side that it seems as if the head wanted to  leave the corpus. A grey head is sucking his nipples, the guy is on his knees. As the head is turning to the side to suck the second nipple, I can see that it is a man in his fifties, his face full of the expression of lust. He spots the staring me and interrupts his perversion. I turn around, walk on the image in my mind. I walk and walk, trying to realize what I just witnessed. In this moment the thought that I am capable of so much more than just collecting images does not cross my mind in this moment, I am just confused.

Thinking back now, I  wish desperately that I would have done something. Knock my knie into the face of this guy, scream, call the police, take the boy with me.. something…Instead I walked back to the hostel, told what I just saw,  probably child prostitution. I went to the office for youth protection, told my story but the eyes of the officer showed that I failed, too late. I should have reacted in the moment, not two hours later.

So now I am sitting here writing this text. The image does not disappear and yet I don´t even manage to shed a tear for the boy. If this was a movie, I would most likely cry a river. Why don´t we cry when we watch the news? Because there are more sad images than tears on this world? What is wrong with me and the world? All I can do for the boy is to condemn.

I condem myself for walking on.

I condem the guy for living his perversion.

I condem society for the rich-poor devide and the capitalism, for an enviroment where some people sit on their i-pads writing blog entries while others sell their children to child prostitution out of despair.  (Yup condemed myself one more time)

I wanted to see the real Salvador, was hungry for images. now I am so full that it makes me sick.

* Child prostitution is a big issue in Brazil, especially during the wold cup of 2014, the business was flourishing, serving the football tourists. Estimations assume that around 500´000 children are working for the sex industry. More information here:

http://www.childtrafficking.com/Docs/guardian_angel__child_prost.pdf

 

Ich wollte die Schichten wegkratzen, wollte die Stadt so sehen wie sie ist, nicht so wie sie sich gibt. Tiefer und tiefer bin ich vorgedrungen, meine Augen waren hungrig. Mit Staunen und Faszination transformierte ich Strassennamen in Bilder. Bilder wurden zu Geschichten, meine Fantasie war belebt von der Magie des Alltags, wie nie zuvor. Ich hörte auf zu fotografieren, sammelte nur noch Bilder für den Kopf. Ich bedachte nicht, dass es auch grausame Bilder gibt, dass diesen auch Geschichten innewohnen, dass diese auch für immer im Kopf festgehalten sind.

Es ist später Nachmittag in der Baixa des Sapateiros (Strasse der Schuhmacher), die Strasse ist Tagsüber eine günstige Shopping Mile, in der Nacht Handelsschauplatz für Sex- und Drogenhandel. Am Strassenrand werden Kokosnüsse, Sonnenbrillen und billige Elektronik-Fälschungen verkauft. Ich schlendere gemütlich und schaue zu meiner Linken.

Mitten in einem der Shops, sitzt ein Junge, c.a. 10 Jahre alt, übergewichtig ohne T-Shirt auf einem Schemel, diese Quader welche in den Schuhläden dieser Welt stehen. Sein Gesichtsausdruck ist gequält, die Augen sind geschlossen, der Kopf so weit zur Seite geneigt, als wollte er sich vom Körper trennen. Vor ihm, auf den Knien, saugt ein grauer Haarschopf an seinem Nippel. Als der Kopf sich zur Seite dreht und sich dem zweiten Nippel nähert sehe ich, dass es sich um einen ca. fünfzigjährigen Mann handelt. Die Lust steht ihm ins Gesicht geschrieben. Er entdeckt mich nun, wie ich da stehe und schaue, er seine Perversion. Ich drehe mich um und gehe weiter, das Bild, den Gesichtsausdruck des Jungen auf meiner Netzhaut eingebrannt. Ich gehe und gehe, versuche zu erfassen was ich gesehen habe. Der Gedanke dass ich mehr kann als Bilder sammeln, kommt mir in dem Moment nicht, ich bin einfach nur verstört. Kann nicht so richtig verstehen, wovon ich soeben Zeugin wurde.

Nun, in der Retroperspektive wünsche ich mir nichts sehnlicher als dass ich irgendetwas getan hätte. Dem Typen das Knie in die Fresse gerammt, geschrien, zum nächsten Polizeiposten gerannt, den Jungen mitgenommen. Irgend etwas…Stattdessen ging ich zurück zum Hostel, erzählte was ich gesehen habe, Kinderprostitution. Ich ging zum Amt für Jugendschutz, erzählte meine Geschichte aber sah in den Augen des Beamten, dass ich versagt hatte. Ich hätte im Moment reagieren sollen, nicht zwei Stunden später.

So sitze ich hier und schreibe diesen Text. Das Bild geht nicht weg und doch schaffe ich es nicht mal eine Träne für den Jungen zu vergiessen. Wieso nur nicht? Wäre dies ein Kinofilm, würde ich bestimmt Rotz und Wasser heulen. Weil es in der Realität mehr traurige Bilder als Tränen gibt? Wieso weinen wir nicht, wenn wir die Nachrichten lesen? Was ist nur los mit mir und der Welt?

Alles was ich für den Jungen jetzt noch tun kann ist anklagen:

Ich klage mich selber an fürs Weitergehen.

Ich klage den Mann an fürs Ausleben seiner Neigung.

Ich klage die Welt an für die Wohlstandsschere und den Kapitalismus, dafür dass die einen am I-Pad sitzen und Blogeinträge schreiben während andere ihre Kinder in die Hände von Verbrechern verkaufen vor lauter Verzweiflung (ja somit klage ich mich selber auch noch ein zweites Mal an, weil auch ich mehr nehme als ich brauche)

Ich wollte das echte Salvador sehen, war hungrig nach Bildern und Geschichten. Nun bin ich so satt dass ich Kotzen könnte.
*Kinderprostitution ist ein grosses Problem in Brasilien, besonders während der Weltmeisterschaft 2014 boobmte der Handel für die sexhungrigen Fussballtouristen. Schätzungen zu Folge arbeiten 500’000 Kinder für die Sexindustrie. Mehr dazu unter:

http://www.childtrafficking.com/Docs/guardian_angel__child_prost.pdf

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