Machu Picchu, Missverständnisse und inzestuöse Filme

Es ist sieben Uhr Morgens in Cusco, Peru. Ich warte seit einigen Stunden darauf dass der Obdachlose aus dem Raum mit dem Bankautomaten verschwindet und ich meine ersten Soles abheben und in Frühstück investieren kann. Vor mir versammelt sich eine Gruppe Trekker in ihrer neonfarbigen Northface Uniform. Da ich die erste anwesende “Gringa” auf dem Placa des Armas, dem Hauptplatz, bin verwechseln sie mich als eine von ihnen. Endlich wankt der Obdachlose aus der Bank und ich hebe mit angehaltenem Atem Geld ab.

Ausgeechnet in einem schicken Hotel welches als erstes seine Tore für die Frühstücker (danke Sven Regener) öffnet, werde ich selber für einige Minuten Obdachlos. Mit dem Internet verbunden blinkt mein Display auf “Schätzchen ich vermisse dich hier bei mir.” steht da auf Spanisch. Nachdem ich in Bolivien kaum mit den Einheimischen in Kontakt gekommen bin, wollte ich es in Peru durch Couchsurfing besser machen. Selber langjäriges Mitglied, hatte ich schon ab und zu Menschen aus aller Welt zu Gast, welche sich in die Käffer verirrten in welchen ich die letzten zehn Jahre wohnte. Ich resigniere, also scheint auch auf Couchsurfing der “Machismo” Latinamerikas zu grasieren. Ich erfinde eine fadenscheinige Ausrede für den Couchsurfer, welche noch zu eineigen weiteren unangenehmen Nachrichten führen soll und buche ein Hostel.

Cusco ist der Ausgangspunkt für Touren zum Machu Picchu, dem Weltwunder der Inkas. Obwohl mir seid dem Besuch der Statue “Christus der Erlöser” vor den Menschenmassen graut, welche sich an solchen Orten versammeln (immer mehr Menschen können es sich leiste zu Reisen), buche ich eine Tour. Bereits die Anfahrt ist spektakulär, zuerst geht es über einen 4200 Meter hohen Pass, dann durch die Schlucht ins “heilige Tal”. Die Strasse ist unbefestigt, nur einspurig befahrbar und immer wieder muss der 4×4 Van Flüsse durchqueren welche über die Strasse laufen. Die Strasse ist gesäumt von Kreuzen und Blumen, welche besser als jede Temposchwelle zu vorsichtigem Fahren ermahnen. Nach einer Nacht im schimmligen, grauen Hotel (hatte die billigste Tour gebucht), geht es per Bus zur Ruine (nur  über meine Leiche würde ich zwei Stunden wandern morgens um 4).

Trotz der Touristenmassen ist der Besuch der Ruinen unvergesslich, die Lagen inmitten der erhabenen Berge ist atemberaubend. In der Ferne ist ein schneebedeckter 6000er zu sehen. Es wird Heute vermutet, das Machu Picchu den Inkas als “Eliteuniversität” diente. Ein Tempel wurde so gebaut, dass zur Sonnenwende der Sonnenstrahl exakt durch ein Fenster fällt. Als die Eroberer einfielen wurden die Wege zum abgelegenen Ort zerstört, so fand der (Wieder-) Enddecker Hiram Binghams den Ort 1911 unversehrt vor (in Cusco wurden alle Inkagebäude bis auf die Grundmauern zerstört, darauf wurden die Gebäude der Kolonialherren errichtet). Zwei lokale Familien nutzten die dschungelüberwachsene Anlage zum Anbau von Gemüse.

Nach der faszinierenden Tour spricht mich ein Südkoreaner an welcher im gleichen Van sass. In gebrochenen Englisch fragt er mich ob ich auch alleine reise. Als ich dies bejahe schaut er mich mit grossen, traurigen Augen an. “Bist du nicht einsam?” fragt er mich, und sein offener Blick entwaffnet mich. “Hmm manchmal schon, aber das gehört zur Erfahrung dazu, lernen sich selber auszuhalten.” finde ich. Nun kramt er aus seiner Tasche sein Telefon hervor und erklärt mir mit Hilfe der Übersetzungsapp dass er sich schreklich eins fühle unter all den westlichen Rucksackreisenden von denen die meisten fliessend Englisch sprächen. Ein bisschen kommt er mir vor wie ein Wessen von einem anderen Stern mit dieser unverfälschten Art, völlig frei eines Filters sozialer Akzeptanz. Gemeinsam machen wir uns an den steilen Abstieg. Die Hize wird immer drückender und so frage ich ihn ob er nicht schon mal vor gehen könne damit ich in meine kurzen Hosen wechseln kann. Er verteht mich nicht und so versuche ich es mit Gesten. Als ich ihn wieder versuche einzuholen ist er weg, anscheinen hatte er verstanden dass ich ihn wegschicken wollte. Zum Glück kann ich später im Bus das Missverständniss aufklären.

Nach einer weiteren Nacht in Cusco geht es weiter nach Lima, 20 Stunden Busfahrt, davon ca. 14 durch die Anden, Passstrassen hoch und runter. Der Busfahrer spielt zwei Filme, “Gladiator” und eine simple Ice Cube Komödie, beide drei Mal in Folge. Da ich die Filme nicht kenne, empfinde ich die Repetition als Sprachkurs. Als ich jedoch auch nach dem dritten Mal Gladiator noch verstehe dass die Frau die Schwester von Joaquin Phoenix ist, Russel Crowe der Vater deren Sohnes, aber seine Familie schrecklich vermisst wobei Joaquin seine eigene Schwester gerne will, führe ich die wirre Handlung auf meine mangelnden Sprachkenntnisse zurück. Dies stellt sich jedoch bei nachträglichen googeln als richtig heraus. So konzentriere ich mich auf den Sonnenuntergang, welcher Berge so weit das Auge reicht, in violettönen erstrahlen lässt.

2 thoughts on “Machu Picchu, Missverständnisse und inzestuöse Filme

  1. Oohh Peru Machi Picchu dert will ich au unbedingt mol ane! Dänke viel a de und be froh dass du üs immer so guet ufem laufende haltisch! Magsch überhaupt no reise? 😉

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    1. Danke, dänke ou vell a üch und s Abentür wo uf üch wartet :-)! Mag scho no, aber merke dasi weder Mol es Ziitli am gliche Ort möcht si, blibe e Monet in Trujillo und heslfe bemne Projekt für Chend met.

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