Mein Block, oder so…

Das Viertel in welchem ich hier in Trujillo arbeite und wohne besitzt einen schlechten Ruf. Alle Strassen welche hinter der gegenüberliegenden Seite unserer Avenida liegen sind Tabu, weil zu gefährlich. Der Bezirk ist im Gegensatz zum Stadtzentrum sehr einfach bis ärmlich. Ich möchte in diesem Bericht jedoch nicht von den Problemen schreiben welche diese Umstände mit sich bringen. Nein, ich möchte bewusst meinen Blick verschleiern, möchte von der Poesie und Schönheit schreiben welche diesen Strassen von aus Zeihgelsteinen zusammengeschusterten Rohbauten inne liegt.

Es ist gerade Sonntagabend, ich schreibe diesen Bericht von der äussersten Ecke unseres Daches, welches von Wäscheleinen durchzogen ist und hauptsächlich zum Wäschetrocknen verwendet wird. Das Dach ist mein kleiner Rückzugsort, ein Ort wo ich ewig verweilen könnte, ich sehe alles, kann die Menschen beobachten, mir meine Gedanken machen, ohne enddeckt zu werden und die übliche Aufmerksamkeit, welche uns Bleichgesichtern hier zuteil wird, auf mich zu ziehen. Aus irgendeinem Haus dröhnen Sambarathmen in einer Lautstärke welche man in der Schweiz nur von Heavy Metalkonzerten in Kulturzentren kennt, welche von der Innenstädten in die Industriebezirke der Städte gentrifiziert wurden.

360° um mich herum leuchten die Lichter der Zivilisation, möchten gerne Ersatz sein für die Sterne, welche sie mit ihrem Smog verdrängen und fast, aber nur in Kombination mit der Sambamusik, gelingt ihnen dies auch. Ich öffne meine kleine Tüte Chips, eine Sonntagabend Ausnahme. Die Tüte habe ich bei der Katzenfrau gekauft. Die Katzenfrau besitzt einen Laden welcher zur Hälfte Heimwerkerwahre verkauft, darunter Spraydosen mit Pin-Up Girl Motiven (Marketing muss hier in diesem Land des Machismo sein wie eine Folge Mad Men). Die andere Hälfte des Sortiments besteht aus Haushaltswaren, Getränken und Snacks. Zum guten Glück verkauft sie kein Hühnchen (siehe letzter Bericht). Katzenfrau heisst Katzenfrau weil auf den Glasvitrinen mit den Pin-Up Spraydosen immer zwei Katzen hoheitsvoll das Geschehen überwachen.

Auf dem Nachhauseweg ging ich, wie jeden Tag mehrere Male, an der Frau vorbei, welche auf einem kaum ein A4-Blatt grossen Grill geröstete Hünerfüsse grilliert. Wie immer beäugte sie mich mit kritischem bis misstrauischem Blick (was wollen nur all diese Gringos hier?).
Mein Weg führte weiter, vorbei an einem Telefonfenster, ein weiteres Highligt. Da stand also dieser Typ auf dem Gehweg, in seiner Hand ein Telefonhörer wessen Kordel in ein vergittertes Fester führt, in welchem ein Münztelefon installiert ist. Gut gelaunt plauderte er gelassen mitten auf dem Gehweg am Rande der Hauptstrasse. Als ich am gelb vergitterten Fussball/ Basketballplatz vorbeihgehe, lachen sich gerade ein paar Kinder einen Schranz über ihren (vermutlich) älteren Cousin oder Bruder, welcher mit viel Dramaturgie eine Geschichte erzählt.

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