Der Schamanen-Azubi

“Willst du Schamanin werden? Du kannst hier leben und von uns lernen?” Das Angebot wird mir vom c.a. 55 jährigen Schwiegersohn der Dorfschamanin von “El chino” unterbreitet. Leider ist Ponah, die Schamanin gerade in Iquitos. Die neunzigjährige Indianerin spricht ausschliesslich Quetcha und “die andere Sprache”. Es ist traurig. die Kulturen der indigenen Völker hier um Iquitos sind am aussterben, uns kann niemand sagen wie die Sprache heisst, welche die Frau spricht.

Ihr Schwiegersohn ist seid fünf Jahren in Schamanen-Ausbildung. Er sieht so gar nicht aus, wie man sich einen Schamanen vorstellt. Sein zerfleddertes “I love Pizza” T-Shirt lässt ihn jedoch gleichzeitig auch sehr authentisch wirken. Mit gütigen, klugen Augen beantwortet er die neugierigen Fragen von Katrin und mir geduldig.

Nicht viele würden den Pfad meines Schamanen einschlagen, zu gross seien die Entbehrungen. Die Lehr-Perioden dauern jeweils ein halbes Jahr. In dieser Zeit muss er auf Salz, rotes Fleisch, Gewürze und Sex verzichten. Änlich wie das indische Ayurveda, teilt auch der Schamanismus Lebensmittel in “heiss” und “kalt” auf. “Heiss” gilt als schlecht für die Spiritualität. Regelmässig werden in dieser Zeit Ayahuasca Zeremonien (siehe https://desejoporviajar.com/2016/06/22/ankunft-in-iquitos/ ) durchgeführt. Wärend der Zeremonien würde er die Stimmen der Pflanzen Geister hören, welche ihm ihre Wirkung offenbahren. So würde er die Wirkung der Pflanzen des Urwaldes erlernen. Ich frage erstaunt, ob die 90-jährige Ponah denn auch noch regelmässig Ayahuasca konsumiere? Selbstverständlich, gerade deshalb sei sie ja noch so rüstig für ihr Alter, meint der Schamanen-Azubi und Miguel nickt bestätigend.

Stolz berichtet er uns nun von einem Medikament, welches, wenn mit der richtigen Diät verbunden, Diabetes komplett heilen könne. Er lacht und erklärt, dass es die Patienten nur (umgerechnet) 30 Franken kostet, einen Bruchteil der Schulmedizinkosten, welche ausserdem keine dauerhafte Linderung erreichen würden. Ich glaube dem Mann jedes Wort. Sein Gesicht drückt Aufrichtigkeit aus, ausserdem sind Pharmakonzerne seid Jahren hinter dem Wissen der traditionellen Mediziner der Waldes her. Brasilien kämpft mit der Militärpolizei, welche in den entlegensten Gegenden stationiert sind, gegen die Bio-Piraterie an. Pharma-Konzerne entsenden Spezialisten zu abgeschotteten Amazonas-Stämmen um mehr über ihr Wissen zu erfahren. Diese entnehmen Proben der medizinischen Heilpflanzen und extrahieren den Wirkstoff. Diesen lassen sie dann patentieren. Die Patentierung von Pflanzen ist eine Perversion unseres Zeitgeschehens. Mehr dazu unter: https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/biopiraterie-raub-der-vielfalt-patent-auf-mais-fuer-die-firma-dupont

Wieder werde ich nun gefragt ob ich Schamanin werden will. So verlockend der Gedanke auch ist, eine Weile bei den “El Chinos” zu leben, meine Angst, für immer auf hallizugenen Drogen hängenzubleiben, ist zu gross. Ein Charakter im lokalen Kulturverein meiner Jugend hat mir die Lust auf solche Experimente Lebenslang verdorben. So kehren Katrin und ich nach Iquitos zurück und schweren Herzens nehmen wir hin, dass sich unsere Wege hier trennen. Nach weiteren 3 Tagen auf dem Amazonasschiff erreiche ich die Stadt im drei Ländereck zwischen Brasilien, Kolumbien und Peru, Leticia. Das Abenteuer Amazonas ist geht zu Ende, vergessen werde ich diese Zeit bestimmt nie mehr!

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